Nachfolgehaus
Glossar

Glossar: Unternehmensverkauf & Nachfolge

Die wichtigsten Fachbegriffe rund um Firmenverkauf, GmbH-Bewertung und Nachfolge — kompakt und in verständlichem Deutsch erklärt.

Abtretungsvertrag
Notariell beurkundeter Vertrag, mit dem Geschäftsanteile einer GmbH auf einen Käufer übertragen werden (§ 15 Abs. 3 GmbHG).
Asset Deal
Verkauf einzelner Wirtschaftsgüter (Maschinen, Verträge, Kundenstamm) statt der Gesellschaftsanteile. Der ursprüngliche Rechtsträger bleibt beim Verkäufer. Vorteilhaft, wenn Käufer Altrisiken ausschließen will — nachteilig, weil Verträge oft neu verhandelt werden müssen.
Bonitätsindex
Kennzahl der Auskunftei Creditreform zur Kreditwürdigkeit einer GmbH. Der Index wird von Creditreform eigenständig auf Basis aktueller Daten gepflegt und kann sich nach einem Gesellschafterwechsel ändern.
Change-of-Control-Klausel
Vertragsklausel, die einem Vertragspartner bei einem Wechsel der Gesellschafter ein Kündigungs- oder Zustimmungsrecht gibt.
Closing
Der Tag, an dem alle Bedingungen erfüllt sind und die Anteilsübertragung wirksam wird. Häufig getrennt vom Signing (Unterschrift des Kaufvertrags) durch Closing Conditions wie Kartellfreigabe oder Bankgenehmigung.
Due Diligence
Sorgfältige Prüfung eines Unternehmens vor dem Kauf — finanziell (Financial DD), rechtlich (Legal DD), steuerlich (Tax DD) und kommerziell (Commercial DD). Ziel: Risiken identifizieren und den Kaufpreis abzusichern. Bei kleinen GmbHs typischerweise 1–3 Wochen, bei Mittelständlern bis zu 8 Wochen.
Earn-Out
Variabler Kaufpreis-Bestandteil, der an die zukünftige Geschäftsentwicklung gekoppelt ist. Wird häufig vereinbart, wenn Verkäufer und Käufer den Unternehmenswert unterschiedlich einschätzen.
EBIT
Earnings Before Interest and Taxes — operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Wichtigste Bezugsgröße für Unternehmensbewertungen nach dem Multiplikatorverfahren (EBIT × branchenüblicher Multiplikator).
EBITDA
Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization — operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen. Bereinigt um buchhalterische Effekte; häufig genutzt für Vergleiche zwischen kapitalintensiven und kapitalleichten Unternehmen.
Entlastung
Beschluss der Gesellschafter, mit dem sie die Geschäftsführung für einen Zeitraum billigen und auf erkennbare Ersatzansprüche verzichten.
Exposé
Ausführliche Unternehmensbeschreibung mit Kennzahlen, die Interessenten nach einer Geheimhaltungsvereinbarung erhalten.
Firmennachfolge / Unternehmensnachfolge
Übergabe eines Unternehmens an einen Nachfolger — familienintern, an Mitarbeiter (MBO) oder an einen externen Käufer (Verkauf). Die KfW rechnet bis Ende 2029 mit rund 109.000 Nachfolgewünschen pro Jahr im Mittelstand (KfW Research, Fokus Volkswirtschaft Nr. 526).
Freistellung
Vertragliche Zusage des Verkäufers, den Käufer von bestimmten Risiken, etwa Steuern aus der Zeit vor dem Verkauf, freizuhalten.
Garantie (im Kaufvertrag)
Zusicherung des Verkäufers über bestimmte Umstände, etwa die Richtigkeit der Jahresabschlüsse. Ist sie falsch, haftet der Verkäufer nach den vertraglichen Regeln.
Geschäftswert
Bemessungsgrundlage für Notar- und Gerichtskosten nach dem GNotKG, beim Anteilskauf meist der Kaufpreis oder ein höherer Wert der Anteile.
Gesellschafterliste
Vom Handelsregister aufgenommene Liste aller Gesellschafter einer GmbH mit ihren Anteilen. Wer dort eingetragen ist, gilt gegenüber der Gesellschaft als Gesellschafter (§ 16 Abs. 1 GmbHG).
GNotKG
Gerichts- und Notarkostengesetz, das die Gebühren von Notaren und Gerichten gesetzlich festlegt.
Holding
Gesellschaft, deren Hauptzweck das Halten von Beteiligungen an anderen Gesellschaften ist. Veräußerungsgewinne aus Beteiligungen sind nach § 8b KStG weitgehend steuerfrei.
Kaufpreiseinbehalt
Teil des Kaufpreises, den der Käufer für eine bestimmte Zeit zurückhält, um mögliche Ansprüche aus Garantien abzusichern.
Letter of Intent (LOI)
Absichtserklärung zwischen Verkäufer und Käufer mit Kaufpreis-Indikation, Zeitplan, Exklusivität und Vertraulichkeit. Rechtlich meist nicht bindend — außer die Vertraulichkeits- und Exklusivitätsklauseln.
Liquidation
Auflösung und Abwicklung einer GmbH mit Gläubigeraufruf und einem Sperrjahr nach § 73 GmbHG, bevor Restvermögen an die Gesellschafter verteilt wird.
Mantelgesellschaft
Bereits bestehende, aber operativ inaktive GmbH (sog. Mantel). Vorteile: gewachsene Handelsregister-Historie, schnellere Verfügbarkeit als eine Neugründung. Wirtschaftliche Neugründung muss steuerlich angezeigt werden (§ 8c KStG).
MBO / MBI
Management Buy-Out: das bestehende Management übernimmt das Unternehmen. Management Buy-In: ein externes Management übernimmt. Beides kann mit Bankfinanzierung oder Private Equity strukturiert werden.
NDA / Vertraulichkeitsvereinbarung
Non-Disclosure Agreement: schützt sensible Unternehmensdaten während der Verhandlungen. Bei Nachfolgehaus werden Unterlagen ausschließlich nach NDA-Unterzeichnung an konkrete Interessenten weitergegeben.
Share Deal
Verkauf der Geschäftsanteile (Shares) einer GmbH. Der Käufer übernimmt die gesamte Gesellschaft mit allen Aktiva, Passiva, Verträgen, Verlustvorträgen und Bonitätsindex. Notarpflichtig nach § 15 Abs. 3 GmbHG. Steuerlich oft attraktiv (Teileinkünfteverfahren bzw. § 8b KStG).
Signing
Unterzeichnung bzw. notarielle Beurkundung des Kaufvertrags.
Sperrjahr
Frist von einem Jahr nach dem Gläubigeraufruf bei der Liquidation einer GmbH, vor deren Ablauf kein Vermögen an die Gesellschafter verteilt werden darf (§ 73 GmbHG).
Stammkapital
Mindestkapital einer GmbH von 25.000 Euro, von dem bei Gründung mindestens die Hälfte eingezahlt sein muss.
Teaser
Anonymes Kurzprofil eines zum Verkauf stehenden Unternehmens ohne Firmennamen.
Teileinkünfteverfahren
Besteuerung von Veräußerungsgewinnen aus privat gehaltenen GmbH-Anteilen ab einem Prozent Beteiligung, bei der 60 Prozent des Gewinns steuerpflichtig sind.
Transparenzregister
Register, in dem die wirtschaftlich Berechtigten von Gesellschaften erfasst werden.
Unternehmensbewertung
Ermittlung des wirtschaftlichen Werts eines Unternehmens. Übliche Verfahren: Ertragswertverfahren (IDW S 1), DCF-Verfahren, Multiplikatorverfahren (EBIT-Multiples je Branche), Substanzwertverfahren. Für GmbH-Verkäufe häufig Kombination aus Ertrags- und Substanzwert.
Verkäuferdarlehen
Teil des Kaufpreises, den der Verkäufer stundet und den der Käufer verzinst in Raten zurückzahlt.
Verlustvortrag
Steuerliche Verluste aus Vorjahren, die mit zukünftigen Gewinnen verrechnet werden können. Bei GmbH-Verkäufen entfällt der Verlustvortrag oft nach § 8c KStG, wenn mehr als 50 % der Anteile übertragen werden — Ausnahmen siehe § 8d KStG (fortführungsgebundener Verlustvortrag).
Vinkulierung
Satzungsregel, nach der die Abtretung von Geschäftsanteilen die Zustimmung der Gesellschaft oder der Gesellschafter braucht (§ 15 Abs. 5 GmbHG).
Vorratsgesellschaft
Neu gegründete, noch nie operativ tätige GmbH, die zum sofortigen Erwerb bereitsteht. Käufer spart die 4–8 Wochen Gründungszeit. Der Bonitätsindex ist neutral, kein Altrisiko.
Wirtschaftlich Berechtigter
Natürliche Person, die eine Gesellschaft letztlich kontrolliert oder der mehr als 25 Prozent der Anteile oder Stimmrechte zuzurechnen sind (§ 3 GwG).
Wirtschaftliche Neugründung
Wiederaufnahme eines Geschäfts in einer inaktiven GmbH. Sie ist dem Registergericht offenzulegen, die Kapitalaufbringung ist zu versichern.
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