CSRD und ESG beim GmbH-Verkauf: Warum Nachhaltigkeit jetzt kaufpreisrelevant ist
Auch nicht direkt berichtspflichtige GmbHs werden über Lieferketten in ESG-Anforderungen gezogen. Käufer fragen 2026 systematisch danach.
Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) sollte schrittweise auch größere Mittelständler zur Berichterstattung verpflichten. Mit dem sogenannten Omnibus-Paket hat die EU die Pflichten jedoch verschoben und deutlich auf große Unternehmen beschränkt. Für die meisten GmbHs gilt deshalb: keine eigene Berichtspflicht. Beim Verkauf spielt das Thema trotzdem eine Rolle, weil Großkunden, Banken und Käufer Nachhaltigkeitsdaten abfragen.
Was die aktuelle Rechtslage für kleine und mittlere GmbHs bedeutet
Direkt berichtspflichtig sind nach den Änderungen nur noch große Unternehmen. Ob und wann Ihre Gesellschaft betroffen wäre, hängt von Mitarbeiterzahl und Umsatz ab und sollte mit Ihrem Steuerberater geprüft werden, weil sich die Regeln zuletzt mehrfach geändert haben.
Unabhängig davon geben große Unternehmen Anforderungen an ihre Lieferanten weiter. Wer Großkunden in Industrie, Handel oder öffentlicher Hand beliefert, bekommt Fragebögen zu Energieverbrauch, Lieferkette oder Arbeitsbedingungen.
Warum Nachhaltigkeit beim Verkauf trotzdem zählt
Käufer und ihre Banken wollen wissen, ob in der Gesellschaft Risiken stecken, die später Geld kosten: ein hoher Energieverbrauch ohne Plan, Lieferanten in Risikoländern, fehlende Arbeitsschutz- oder Compliance-Strukturen. Fehlen Antworten, wird die Prüfung länger und der Käufer rechnet vorsichtiger.
Eine gute Vorbereitung ist dagegen ein Pluspunkt: Sie zeigt, dass das Unternehmen geordnet geführt wird.
Was Käufer typischerweise abfragen
- Energieverbräuche der letzten Jahre für Strom, Wärme und Fuhrpark
- Geplante oder umgesetzte Maßnahmen zur Senkung von Verbrauch und Kosten
- Lieferantenstruktur und Herkunftsländer wichtiger Vorprodukte
- Arbeitsschutz, Unfallzahlen, Weiterbildung und Fluktuation
- Compliance: Hinweisgebersystem (Pflicht ab 50 Beschäftigten nach dem Hinweisgeberschutzgesetz), Datenschutz, Verantwortlichkeiten
Was Sie mit wenig Aufwand vorbereiten können
Eine vollständige Nachhaltigkeitsberichterstattung ist für die meisten GmbHs überdimensioniert. Sinnvoll ist ein kompaktes Profil von ein bis zwei Seiten mit den oben genannten Eckdaten, ergänzt um die Antworten auf Fragebögen, die Ihre Kunden bereits geschickt haben.
So hat der Käufer die wichtigsten Informationen auf einen Blick, und die Prüfung geht schneller.
Lieferkette: Anforderungen von Großkunden
Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet direkt nur große Unternehmen. Diese geben Teile der Anforderungen über Verträge und Fragebögen an ihre Zulieferer weiter. Wer solche Kunden hat, sollte Selbstauskünfte und einfache Risikoeinschätzungen griffbereit haben.
Energie und Kosten: der wichtigste ESG-Punkt für KMU
Für die meisten mittelständischen GmbHs ist der Energieverbrauch der greifbarste Nachhaltigkeitsfaktor. Er wirkt direkt auf die Kosten und damit auf den Ertrag, den der Käufer übernimmt. Wer Verbräuche dokumentiert und Einsparmaßnahmen belegen kann, zeigt, dass dieses Risiko im Griff ist.
Seit Ende 2023 gilt zudem das Energieeffizienzgesetz, das bestimmte Unternehmen mit hohem Energieverbrauch zu Energie- oder Umweltmanagementsystemen verpflichtet. Ob Ihre Gesellschaft betroffen ist, hängt vom Verbrauch ab.
Soziale Faktoren und Unternehmensführung
Neben der Umwelt fragen Käufer nach dem Umgang mit Mitarbeitenden und nach der Unternehmensführung: Arbeitsschutz, Weiterbildung, faire Vergütung, Datenschutz, Korruptionsprävention und klare Verantwortlichkeiten. Viele dieser Punkte sind ohnehin gesetzlich vorgeschrieben.
Ein Unternehmen, das hier dokumentiert arbeitet, gilt als besser geführt. Das senkt das Risiko aus Sicht des Käufers.
So bauen Sie ein ESG-Profil in wenigen Schritten
- Verbräuche für Strom, Wärme und Kraftstoff der letzten Jahre aus Rechnungen zusammenstellen
- Umgesetzte und geplante Maßnahmen kurz beschreiben
- Wichtige Lieferanten mit Herkunftsland auflisten
- Kennzahlen zu Personal zusammenfassen: Fluktuation, Weiterbildung, Unfälle
- Bestehende Fragebögen von Kunden und die eigenen Antworten beilegen
- Verantwortliche für Datenschutz, Arbeitsschutz und Hinweisgebersystem benennen
Wie ESG die Prüfung durch den Käufer verändert
Käufer nehmen Nachhaltigkeitsfragen zunehmend in ihre Prüflisten auf, auch weil ihre Banken danach fragen. Fehlen Antworten, entstehen Rückfragen, die die Prüfung verlängern. Ein vorbereitetes Profil beantwortet die meisten Fragen auf einmal und signalisiert, dass das Unternehmen geordnet geführt wird.
Fazit
Für die meisten GmbHs ist Nachhaltigkeit beim Verkauf keine Berichtspflicht, aber eine Prüfungsfrage. Ein knappes, ehrliches Profil beschleunigt die Prüfung und vermeidet vorsichtige Abschläge in der Preisverhandlung.
Häufige Fragen
Muss meine GmbH einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen?+
In den meisten Fällen nicht. Nach den Änderungen durch das EU-Omnibus-Paket sind vor allem große Unternehmen berichtspflichtig. Lassen Sie die Schwellenwerte für Ihre Gesellschaft von Ihrem Steuerberater prüfen.
Warum fragen Käufer trotzdem nach ESG-Daten?+
Weil Banken, Großkunden und Investoren Risiken wie hohe Energiekosten oder problematische Lieferketten einschätzen wollen. Fehlende Antworten verlängern die Prüfung.
Brauche ich ein Hinweisgebersystem?+
Ab 50 Beschäftigten ja, nach dem Hinweisgeberschutzgesetz. Käufer fragen danach, weil Verstöße Bußgelder auslösen können.
Inhaltlich verantwortlich: Adrien Lucas Besson, Geschäftsführer der Olon Pictures GmbH (Betreiberin von Nachfolgehaus).