Wie wirken § 8c und § 8d KStG?
Wird mehr als die Hälfte der Anteile übertragen, gehen Verlustvorträge nach § 8c KStG grundsätzlich unter.
§ 8d KStG ermöglicht auf Antrag den fortführungsgebundenen Verlustvortrag, sofern der bisherige Geschäftsbetrieb unverändert fortgeführt wird.
Was prüft der Käufer?
Käufer prüfen Höhe, Herkunft und Dokumentation der Verluste, das Vorliegen schädlicher Ereignisse, die Fortführungsabsicht und mögliche Stille-Reserven-Klauseln.
Die steuerliche Verwertbarkeit ist regelmäßig der entscheidende Hebel für die Bewertung.
Was mit Verlustvorträgen beim Verkauf passiert
Verlustvorträge sind aufgelaufene steuerliche Verluste, die eine GmbH mit künftigen Gewinnen verrechnen kann. Beim Verkauf greift § 8c KStG: Werden innerhalb von fünf Jahren mehr als 50 Prozent der Anteile an einen Erwerber übertragen, gehen nicht genutzte Verluste grundsätzlich vollständig unter.
Für Käufer bedeutet das: Ein Verlustvortrag ist in den meisten Fällen kein Kaufgrund. Wer für eine GmbH wegen ihrer Verluste mehr zahlt, zahlt oft für einen Wert, der beim Notartermin verschwindet.
Ausnahmen: Konzernklausel, stille Reserven, § 8d KStG
Es gibt Ausnahmen. Die Konzernklausel erhält Verluste bei Übertragungen innerhalb eines Konzerns, wenn an der übertragenden und der übernehmenden Gesellschaft dieselbe Person zu 100 Prozent beteiligt ist. Die Stille-Reserven-Klausel erhält Verluste, soweit die Gesellschaft im Inland steuerpflichtige stille Reserven hat.
Der fortführungsgebundene Verlustvortrag nach § 8d KStG setzt voraus, dass die Gesellschaft seit drei Jahren ausschließlich denselben Geschäftsbetrieb unterhält und diesen fortführt. Für stillgelegte Gesellschaften passt das in aller Regel nicht. Die Prüfung gehört in die Hand eines Steuerberaters.
Wie Verluste den Wert tatsächlich beeinflussen
Verluste in der Bilanz sagen Käufern vor allem etwas über die Vergangenheit. Wichtiger ist die Frage, ob das Eigenkapital noch positiv ist und ob Verbindlichkeiten bestehen. Eine bilanzielle Überschuldung muss geprüft werden, weil sie für die Geschäftsführung Pflichten auslösen kann.
Ist die Gesellschaft schuldenfrei und sauber, kann sie trotz Verlusten verkauft werden. Der Kaufpreis richtet sich dann nach Historie, Unterlagen und Bonität, nicht nach der Höhe des Verlustvortrags.
Voraussetzungen für einen Verkauf
- ▪Vollständige steuerliche Dokumentation der Verluste
- ▪Keine bereits eingetretenen schädlichen Beteiligungserwerbe
- ▪Bereitschaft zur Fortführung des Geschäftsbetriebs (bei § 8d KStG)
Mögliche Risiken
- ▪Untergang der Verlustvorträge nach § 8c KStG
- ▪Streit mit dem Finanzamt über die Anwendung des § 8d KStG
- ▪Verfehlte Erwartungen an den Wertbeitrag des Verlustvortrags
Erforderliche Unterlagen
- ▪Aktuelle Steuerbescheide (KSt, GewSt) inkl. festgestellter Verlustvorträge
- ▪Jahresabschlüsse der letzten Jahre
- ▪Übersicht zu Anteilsübertragungen der letzten Jahre
- ▪Geschäftsmodellbeschreibung
Typischer Ablauf
- 01Auswertung der festgestellten Verluste
- 02Prüfung der Anwendungsvoraussetzungen § 8c / § 8d KStG
- 03Indikative Bewertung
- 04Notarielle Anteilsübertragung
- 05Steuerliche Begleitung beim Käufer
Vier bis sechs Wochen, bei komplexer steuerlicher Prüfung länger.
Für Verkäufer 0 €: Kosten und Vergütung trägt der Käufer – beim Direktankauf ist das Nachfolgehaus selbst. Das gilt auch für Notar und Handelsregister.
Häufige Fehler
- ▪Verlustvorträge als „garantierten“ Wert betrachten
- ▪Geschäftsbetrieb vor Übergabe einstellen und § 8d KStG verlieren
- ▪Steuerbescheide nicht aktuell halten
Häufige Fragen
Möchten Sie Ihre GmbH verkaufen?
Übermitteln Sie uns unverbindlich die wichtigsten Eckdaten Ihrer Gesellschaft. Nach einer ersten Prüfung erhalten Sie eine Einschätzung zu den möglichen nächsten Schritten.
Verwandte Wissensseiten
Inhaltlich verantwortlich: Adrien Lucas Besson, Geschäftsführer der Olon Pictures GmbH (Betreiberin von Nachfolgehaus).