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Ruhende GmbH verkaufen

Eine ruhende GmbH ist eine bestehende, vorübergehend nicht aktive Gesellschaft. Sie lässt sich strukturiert verkaufen, wenn die Verhältnisse geordnet sind. Wichtig ist die saubere Abgrenzung zur reinen Vorratsgesellschaft und zum Mantelverkauf.

Verfasst von Redaktion NachfolgehausVeröffentlicht: 8.3.2026Aktualisiert: 22.10.2026
Auf einen Blick
  • ▪Eine ruhende GmbH besteht rechtlich fort, übt aber keinen aktiven Geschäftsbetrieb aus.
  • ▪Verkauf erfolgt klassisch als Share Deal über notarielle Anteilsübertragung.
  • ▪Der Wert ergibt sich aus Stammkapital, Bonität, Verträgen und ggf. Verlustvorträgen.
  • ▪Steuerlich kann eine wirtschaftliche Neugründung beim Käufer auftreten.

Was ist eine ruhende GmbH genau?

Als ruhend gilt eine GmbH, die formal weiterbesteht, aber keinen oder nur einen sehr geringen Geschäftsbetrieb unterhält. Buchhaltungs-, Jahresabschluss- und Veröffentlichungspflichten bleiben bestehen.

Der Verkauf einer ruhenden GmbH ist häufig schneller als die Liquidation – das gesetzliche Sperrjahr (§ 73 GmbHG) entfällt.

Was beeinflusst den Verkaufspreis?

Eingezahltes Stammkapital, Alter der Gesellschaft, Sauberkeit der Buchhaltung, bestehender Bonitätsindex und Vorhandensein von Verlustvorträgen sind die wichtigsten Werthebel.

Strittige Altlasten, offene Steuerverfahren oder unklare Verbindlichkeiten mindern den Preis. Vollständige Unterlagen sind der wichtigste Hebel für eine realistische Bewertung.

Wirtschaftliche Neugründung beachten

Übernimmt der Käufer die ruhende GmbH und reaktiviert er den Geschäftsbetrieb, kann eine wirtschaftliche Neugründung im Sinne der Rechtsprechung des BGH vorliegen. Dies ist gegenüber dem Registergericht anzuzeigen.

Steuerlich kann § 8c KStG zum (teilweisen) Wegfall von Verlustvorträgen führen. Eine individuelle Prüfung durch den Steuerberater ist ratsam.

Pflichten einer ruhenden GmbH

Auch ohne Geschäftsbetrieb bleibt eine GmbH eine vollwertige Gesellschaft mit Pflichten: Sie muss Jahresabschlüsse aufstellen und offenlegen (§ 325 HGB), Steuererklärungen abgeben, Beiträge zur Industrie- und Handelskammer zahlen und ihre Angaben im Transparenzregister aktuell halten.

Werden Jahresabschlüsse nicht offengelegt, leitet das Bundesamt für Justiz ein Ordnungsgeldverfahren ein (§ 335 HGB). Solche Rückstände sollten vor einem Verkauf bereinigt sein.

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Warum Käufer ruhende GmbHs suchen

Für Käufer ist eine ruhende GmbH interessant, wenn sie eine bestehende Hülle mit Gründungsjahr und Registerhistorie nutzen wollen, etwa für einen schnelleren Marktstart, für Ausschreibungen oder für Vertragspartner, die ein gewisses Alter der Gesellschaft erwarten.

Je sauberer die Unterlagen und je geringer das Risiko von Altlasten, desto attraktiver ist die Gesellschaft.

Wirtschaftliche Neugründung beim Käufer

Nimmt der Käufer wieder ein Geschäft auf, behandelt der Bundesgerichtshof das wie eine Neugründung: Die Geschäftsführung muss die wirtschaftliche Neugründung gegenüber dem Registergericht offenlegen und versichern, dass das Stammkapital zur Verfügung steht (BGH, Beschlüsse vom 9.12.2002, II ZB 12/02, und 7.7.2003, II ZB 4/02).

Für Sie als Verkäufer bedeutet das vor allem: Ein belegter Nachweis über das Stammkapital und saubere Abschlüsse erleichtern dem Käufer diesen Schritt.

Verlustvorträge und Wert

Verlustvorträge einer ruhenden GmbH bringen dem Käufer in aller Regel keinen Vorteil. Werden mehr als 50 Prozent der Anteile übertragen, gehen sie nach § 8c KStG grundsätzlich unter.

Der Wert einer ruhenden GmbH ergibt sich deshalb vor allem aus Alter, Sauberkeit der Unterlagen, fehlenden Altlasten und gegebenenfalls einer guten Bonitätsauskunft.

Voraussetzungen für einen Verkauf

  • ▪Keine offenen Insolvenzverfahren oder Antragspflichten
  • ▪Aktuelle und prüfbare Buchhaltung
  • ▪Eingetragenes, eingezahltes Stammkapital
  • ▪Geordnete Bankverbindung

Mögliche Risiken

  • ▪Steuerliche Effekte aus wirtschaftlicher Neugründung
  • ▪Wegfall von Verlustvorträgen nach § 8c KStG
  • ▪Nachhaftung für Buchführungs- und Veröffentlichungsversäumnisse
  • ▪Pflicht zur Offenlegung trotz Ruhens

Erforderliche Unterlagen

  • ▪Aktueller Handelsregisterauszug
  • ▪Jahresabschlüsse der letzten zwei Jahre
  • ▪Letzte BWA
  • ▪Nachweis über Stammkapital und Bankguthaben

Typischer Ablauf

  1. 01Bestandsaufnahme der Gesellschaft
  2. 02Bewertung auf Basis von Substanz und Stammkapital
  3. 03Übermittlung der Unterlagen unter NDA
  4. 04Notarielle Anteilsübertragung
  5. 05Anzeige der wirtschaftlichen Neugründung beim Registergericht durch den Käufer
Bearbeitungsdauer

In aller Regel drei bis fünf Wochen bei vollständigen Unterlagen.

Kosten

Für Verkäufer 0 €: Kosten und Vergütung trägt der Käufer – beim Direktankauf ist das Nachfolgehaus selbst. Das gilt auch für Notar und Handelsregister.

Häufige Fehler

  • ▪Offenlegungspflichten während des Ruhens versäumen
  • ▪Bankkonten vor Verkauf vorschnell auflösen
  • ▪Verlustvorträge ohne Prüfung als wertbestimmend annehmen
  • ▪Verträge ohne Notwendigkeit kündigen

Häufige Fragen

Es kann eine wirtschaftliche Neugründung beim Käufer vorliegen. Diese ist anzuzeigen und steuerlich zu prüfen.
Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und stellen keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung dar. Bei rechtlichen oder steuerlichen Einzelfragen sollte eine entsprechend qualifizierte Beratung eingeholt werden.

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Inhaltlich verantwortlich: Adrien Lucas Besson, Geschäftsführer der Olon Pictures GmbH (Betreiberin von Nachfolgehaus).