Bonitätsindex GmbH: Creditreform-Werte 100–600 erklärt
Was der Creditreform-Bonitätsindex Ihrer GmbH bedeutet: Skala 100 bis 600, Ausfallwahrscheinlichkeit je Wertebereich und die wichtigsten Hebel für einen besseren Wert.
Der Creditreform-Bonitätsindex ist eine dreistellige Zahl zwischen 100 und 600, mit der Creditreform die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens bewertet. Je niedriger der Wert, desto geringer die geschätzte Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten ausfällt; die Werte 500 und 600 gelten als Ausfall. Wer eine GmbH kauft oder verkauft, findet den Index in jeder Wirtschaftsauskunft von Creditreform.
Wie entsteht der Bonitätsindex?
Creditreform bewertet zahlreiche Einzelmerkmale eines Unternehmens und verdichtet sie gewichtet zu einer Gesamtnote. Laut Creditreform fließen unter anderem ein:
- Zahlungsweise und Krediturteil
- Jahresabschlussdaten, Umsatz und Kapital
- Branchen- und Regionenrisiko
- Unternehmensentwicklung und Auftragslage
- Rechtsform und Unternehmensalter
- Mitarbeiterzahl und Erfahrung des Managements
In der schematischen Darstellung von Creditreform entfallen auf Zahlungsweise und Krediturteil je 25 % der Gewichtung, auf die Bilanzbonität 10 %. Liegen unklare Sachverhalte vor, vergibt Creditreform keinen Index. Aktualisiert wird der Wert in der Regel alle drei Monate.
Welche Werte gibt es und was bedeuten sie?
Zu jedem Wertebereich weist Creditreform eine Ausfallwahrscheinlichkeit (PD) aus. Sie gibt an, wie wahrscheinlich ein Unternehmen innerhalb von zwölf Monaten in eine der beiden schlechtesten Klassen (500 oder 600) wechselt. Die folgenden Werte stammen aus dem Creditreform-Flyer zum Bonitätsindex (Stand Januar 2024, Beobachtungszeitraum September 2022 bis September 2023).
| Bonitätsindex | Ausfallwahrscheinlichkeit (12 Monate) |
|---|---|
| 100–149 | 0,05 % |
| 150–199 | 0,16 % |
| 200–249 | 0,30 % |
| 250–299 | 0,97 % |
| 300–349 | 3,38 % |
| 350–499 | 11,68 % |
| 500 | Ausfall |
| 600 | Ausfall (Zahlungseinstellung) |
Zum Vergleich: Der Durchschnitt aller Unternehmen in Deutschland lag laut Creditreform bei 1,43 % (Stand September 2023). Bis zu einem Index von 299 liegt die ausgewiesene Ausfallwahrscheinlichkeit also unter diesem Durchschnitt, ab 300 darüber.
Verbale Einstufungen wie „gut“ oder „kritisch“ sind keine feste Creditreform-Skala. Ob ein Wert ausreicht, entscheiden Lieferanten, Banken, Leasinggeber und Vermieter nach eigenen Kriterien. Creditreform empfiehlt bei hohen Werten zusätzliche Sicherheiten.
Was sagt der Index beim Kauf einer GmbH aus?
Der Index zeigt, wie Creditreform das Ausfallrisiko der Gesellschaft zum Abrufzeitpunkt einschätzt. Er ist eine verdichtete Momentaufnahme, keine vollständige Prüfung. Wer eine GmbH kauft, sollte zusätzlich Jahresabschlüsse, offene Verbindlichkeiten und das Zahlungsverhalten selbst prüfen – wie das geht, beschreibt der Leitfaden zur Bonitätsprüfung beim Unternehmenskauf.
Ein niedriger Index kann Gespräche mit Lieferanten, Banken oder Vermietern erleichtern. Einen Anspruch auf bestimmte Kreditlinien, Zahlungsziele oder Konditionen begründet er nicht. Welche Gesellschaften mit Bonitätshistorie verfügbar sind, zeigt die Seite GmbH mit Bonität kaufen.
Ändert sich der Index nach einem Gesellschafterwechsel?
Der Index wird in der Regel alle drei Monate neu berechnet. Weil unter anderem Unternehmensentwicklung und Erfahrung des Managements in die Bewertung einfließen, können sich ein Wechsel der Geschäftsführung oder eine veränderte Geschäftsentwicklung in der nächsten Bewertung niederschlagen. In welche Richtung und wie stark, lässt sich vorab nicht sagen.
Wie lässt sich der Bonitätsindex verbessern?
Creditreform nennt unter anderem diese Ansatzpunkte:
- Rechnungen und Kreditraten fristgerecht zahlen – verspätete Zahlungen wirken sich negativ aus.
- Offene Forderungen reduzieren, etwa durch kürzere Zahlungsziele und konsequentes Forderungsmanagement.
- Die Eigenkapitalquote stärken, zum Beispiel durch langfristige Gesellschafterdarlehen mit Rangrücktritt.
- Liquidität und flüssige Mittel nachvollziehbar dokumentieren.
- Aktuelle Jahresabschlüsse und Zahlen aktiv an Creditreform übermitteln.
- Die eigene Auskunft regelmäßig prüfen und fehlerhafte Einträge korrigieren lassen.
Wie Käufer diese Hebel nach der Übernahme konkret einsetzen, beschreibt der Beitrag Bonitätsindex nach dem Kauf verbessern.
Creditreform, CRIF und Bankrating im Vergleich
Neben Creditreform arbeiten viele Marktteilnehmer mit CRIF (früher CRIF Bürgel) oder mit bankinternen Ratings. Die Skalen sind nicht miteinander vergleichbar: Ein guter Creditreform-Index bedeutet nicht automatisch ein gutes Bankrating. Die Unterschiede erklärt CRIF vs. Creditreform beim GmbH-Kauf.
Fazit
Der Bonitätsindex verdichtet das Ausfallrisiko einer Gesellschaft in einer Zahl. Für den GmbH-Kauf ist er ein wichtiger erster Anhaltspunkt, ersetzt aber nicht den Blick in Jahresabschlüsse, Verträge und Zahlungsverhalten.
Quellen
- Creditreform: Bonitätsindex einfach erklärt
- Creditreform: Flyer „Creditreform Bonitätsindex“ (PDF, Stand 01/2024)
- Creditreform: Wie Sie Ihren Bonitätsindex verbessern
- Creditreform: Eine Bonitätsauskunft richtig lesen
Häufige Fragen
Woher bekommt man den aktuellen Bonitätsindex einer GmbH?+
Über eine Wirtschaftsauskunft von Creditreform. Der Index steht dort direkt unter den Firmendaten, zusammen mit der Ausfallwahrscheinlichkeit und der Bonitätsentwicklung.
Was bedeuten die Werte 500 und 600?+
Creditreform wertet 500 und 600 als Ausfall – es sind die beiden schlechtesten Bonitätsklassen. 600 steht für Zahlungseinstellung.
Welcher Bonitätsindex ist beim GmbH-Kauf gut?+
Eine feste Grenze gibt es nicht. Laut Creditreform liegt die Ausfallwahrscheinlichkeit bis zu einem Index von 299 unter dem bundesweiten Durchschnitt von 1,43 % (Stand September 2023), ab 300 darüber. Was für Ihre Zwecke ausreicht, entscheiden Lieferanten, Banken und Vermieter nach eigenen Kriterien.
Wie schnell verbessert sich der Index?+
Creditreform aktualisiert den Index in der Regel alle drei Monate. Verbesserungen bei Zahlungsweise, Jahresabschluss oder Eigenkapital zeigen sich deshalb erst mit Verzögerung.
Inhaltlich verantwortlich: Adrien Lucas Besson, Geschäftsführer der Olon Pictures GmbH (Betreiberin von Nachfolgehaus).